Vom Bergdoktorhof im Film zu den echten Bergbauern am Wilden Kaiser

layout_Bergdoktor-Hans-Sigl-Monika-Baumgartner_Wilder-Kaiser_Susanne-Sigl-(1)Beim „Bromberg Gspian“ lebendiges Brauchtum bei Tiroler Spezialitäten genießen

 

Wenn im Juni die Bergbauern am Söller Bromberg einen Sonntag ihre Höfe und Scheunen öffnen, führt eine Genusswanderung auf eine Reise zu besonderen Menschen und ihren Köstlichkeiten. Von fein bis deftig und urig bis zart kann man dabei viel altes Brauchtum im neuen Gewand entdecken.



Es ist ein schöner Sommersonntag am Wilden Kaiser. Oben beim Köpfinghof am Bromberg sitzen die Leute vor dem alten Bauernhaus auf Holzbänken ─ sie reden und lachen. Heute gibt es Kiachl mit Kraut und hausgemachten Kuchen. Eine Harfenspielerin spielt alte Tiroler Volkslieder. Alle paar Minuten schnauft ein historischer Steyr-Traktor die steile Straße herauf, um hungrige Wanderer zu dem malerischen Hof zu bringen, der im Film die Heimat des Bergdoktors ist.

Es ist kein besonderer Feiertag und trotzdem ist hier oben eine ganz spezielle, fast festliche Stimmung. „Bromberg Gspian“ heißt es an diesem Tag ─ den Bromberg spüren. Die Bauern und Wirte an diesem Berg haben heute ihre Türen für eine „Roas“ geöffnet ─ ein Ausdruck, der mit dem Wort „Ausflug“ übersetzt werden könnte. Einheimische und Urlaubsgäste pilgern hinauf zum Bromberg. Die einen zu Fuß, die anderen mit den Oldtimertraktoren, die als Shuttle dienen. Oben gibt es feine hausgemachte Tiroler Spezialitäten. Die einen mögen es deftig mit Gerstlsuppe, Knödln und Würstln. Die anderen lieben es süß und greifen zu Krapfen mit Preiselbeeren oder einem frischgebackenen Kuchen zum Kaffee. Beim „Bromberg Gspian“ geht es aber nicht nur ums leibliche Wohl: Besucher nehmen auch einen Eindruck vom ─ einstigen und heutigen ─ Leben am Bergbauernhof mit.


Wo zarte Goldstickerei auf robuste Reisigbesen trifft

Die Kunsthandwerkerin Hanni Huber hat beim Köpfinghof ihre Klosterarbeiten ausgestellt. Feine Stickereien, filigrane Halsbänder und edel geschmückte Trachtenhüte, aber auch verzierte Kerzen. „Dafür brauche ich bis zu 700 Teile und verwende auch echte Goldauflagen“, erklärt sie und führt vor, wie mit geschickten Handgriffen die zierlichen Bänder gestickt werden.

Etwas weiter unten beim Bauernhof Ried sitzt Altbauer Leonhard Obwaller auf einem Holzschemel und macht etwas, das die meisten Leute schon vergessen haben. Er bindet Reisigbesen zusammen ─ früher eine ganz selbstverständliche Arbeit. „Das habe ich schon mit 17 Jahren angefangen.

Damals hat es mir ein alter Mann aus der Nachbarschaft gezeigt“, erinnert er sich. Mit geschickten Handgriffen setzt er den Birkenreisig zusammen, legt die Bündel aneinander, die dann mit Draht festgebunden und mit dem Stiel verknüpft werden, bis sie einen Handbesen ergeben. „Den kann man gut für den Hof und den Stall verwenden“, sagt der Altbauer. Früher haben sich die Leute eben mit dem beholfen, was sie auf dem Hof hatten. Und das kommt heute wieder in Mode.

 

Ein Hofmetzger, der seinen Fleischkäse liebt

Eine ganz spezielle Harmonie liegt über dem Berg, wo Menschen von Hof zu Hof wandern, einkehren und mit den Bauern sprechen. Ein interessanter Gesprächspartner ist auch Peter Obermoser vom Unternieringhof. In seiner Hofmetzgerei mitten am Berg verarbeitet er seit über 20 Jahren das Fleisch der Rinder, Schweine und Lämmer der Bauern aus der Umgebung. Zahlreiche Wirte und auch Privatleute kaufen bei ihm ein. Dass die Leute wieder mehr Wert auf Herkunft und Qualität legen, macht sich bei ihm stark bemerkbar. Bei Obermoser wird nur auf Vorbestellung geschlachtet und verarbeitet, weshalb sein Fleisch unvergleichbar frisch ist. „Für die Qualität entscheidend ist, was die Tiere zu fressen bekommen“, sagt Peter Obermoser. Und da sind die Almwiesen eben konkurrenzlos gut. Was er selbst am liebsten auf dem Teller hat? „Ich mag unseren Fleischkäse sehr gern. Der muss aber kalt sein, dann ist der Geschmack am intensivsten“, verrät der Hofmetzger.

Um gute und gesunde Ernährung geht es auch bei Hans Feiersinger, der heute sein Bienenhaus beim Jodlhof gleich unterhalb vom Bergdoktorhaus geöffnet hat und mit leuchtenden Augen von seinen Bienenvölkern erzählt. Andächtig stehen die Besucher neben ihm vor den Bienenkästen und erfahren, wie die Bienen über den Winter kommen, den Unterschied zwischen Blüten- und Waldhonig und wie gesund Propolis ist. Das Bienenharz wird wegen seiner antibiotischen, die Wundheilung fördernden, Wirkung geschätzt. Vor dem kleinen Holzhaus hat seine Familie auf dem Tisch Honig zum Verkosten und Verkauf aufgetischt und zwischendurch gibt es auch mal einen Honigschnaps. „Der schmeckt aber schön mild“, sagt eine Besucherin. Es gibt viele Geschmäcker und beim „Bromberg Gspian“ kommen alle auf ihre Kosten. Am Wilden Kaiser sind Tradition und Brauchtum lebendig und so kann man hier zu Sommerbeginn einen Tag lang genussvoll in Leben und Kultur der Bergbauern reinschnuppern. Danach lädt der Handwerkskunstmarkt am Goinger Kirchplatz an einigen Sommerabenden wieder zur Begegnung mit altem Handwerk und fast vergessenen Fertigkeiten ein.

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